Costa Rica – eine Reise für „Südtirol hilft“

Für Kunden, die schon immer beim Anbau und der Produktion von Kaffee einen Blick hinter die Kulissen werfen wollten, bot die „Südtirol hilft“-Aktion der Kaffeerösterei Schreyögg Gelegenheit dazu. Auf einer Reise nach Costa Rica im Januar 2016 konnten Interessierte in direkten Kontakt mit den Menschen hinter dem Kaffee treten und die wichtigsten Schritte der Kaffeeproduktion live miterleben. Vor Ort gaben die Partner von Schreyögg Auskunft rund um den Anbau von Kaffee; die Reisekosten wurden von der Kaffeerösterei Schreyögg getragen, die Reisenden selbst spendeten eine entsprechende Summe an die Südtiroler Hilfsorganisation.

Die Kaffeereise nach Costa Rica sollte der kleinen Reisegruppe nicht nur das Land selbst nahebringen, sondern auch Einblicke in die Welt des Kaffees verschaffen.
Costa Rica ist das zweitkleinste Land Zentralamerikas, das im Norden an Nicaragua und im Süden an Panama grenzt, und es gilt als eines der fortschrittlichsten Staaten Lateinamerikas. Seit den 50er-Jahren herrscht, im Gegensatz zur Situation in vielen anderen Ländern des Kontinents, eine stabile Demokratie. Klimaschutz, Naturschutz und Waldschutz werden als wichtiger Bestandteil der staatlichen Umweltpolitik angesehen und konsequent umgesetzt. Zudem setzt man stark auf Ökotourismus, von dem sowohl Einheimische wie auch umweltbewusste Touristen profitieren. Aufgrund seiner Lage zwischen 8° und 11° nördlicher Breite befindet sich Costa Rica in den Tropen – bei günstigen klimatischen Bedingungen zwischen 15° und 28° C. Man trifft hier auf zwei verschiedene Klimatypen, bedingt durch die Talamanca-Gebirgskette. Dadurch differieren auch die Niederschläge sehr stark. Eine Reise nach Costa Rica bietet sich vornehmlich während der Trockenzeit an, in den Monaten von Dezember bis März und April.
Der nährstoffreiche, gut luftdurchlässige Boden vulkanischen Ursprungs bietet die besten Bedingungen für gute Kaffeequalität. Kaffeeexperten sind sich einig, dass Kaffee aus Costa Rica zu den besten weltweit gehört. Eine konstante Qualität, gefördert durch sehr organisierte Betriebe, garantiert dem Land ein gutes Exportgeschäft. Die Kaffees zeichnen sich durch eine gute Säure und ein würziges Aroma in Verbindung mit vollmundiger und edler Fülle aus, ohne dominant zu sein. Der Kaffeeanbau konzentriert sich derzeit ausschließlich auf die Sorte Arabica; darunter befinden sich Spitzensorten, die den Erwartungen auch des anspruchsvollsten Kaffeerösters genügen.
Nach der Landung in San José, der Hauptstadt Costa Ricas, die mit Liberia als einzige Stadt Costa Ricas über einen internationalen Flughafen verfügt, und einer kleinen Pause führte das erste Besuchsziel die Reisegruppe durch einen naturbelassenen Urwald in den Nationalpark Manuel Antonio in Quepos.
Costa Rica weist eine äußerst hohe biologische Vielfalt an Pflanzen und Tieren sowie Landschaftsformen auf und gehört zu den 20 an Biodiversität reichsten Ländern der Erde. Es gibt, über das ganze Land verstreut, zahlreiche Naturparks von sehr unterschiedlichem Charakter. Die staatliche Umweltpolitik bildet die wichtigste Grundlage für die erstrebte Harmonie von Mensch und Natur. Entsprechend war der Besuch des Nationalparks Manuel Antonio in Quepos ein eindrucksvolles Erlebnis. Die Rückfahrt führte die Gruppe dann in die Hauptstadt San José mit ihrer typisch mittelamerikanischen Atmosphäre. Die Innenstadt ist geprägt von gemütlichen Cafés und Restaurants, deren Besuch den Tag entspannt ausklingen ließ. Am zweiten Reisetag dann stand der Besuch der Kaffeegenossenschaft COOCAFE auf dem Programm, die sich im Norden Costa Ricas befindet. Bei dieser Organisation handelt es sich um einen Zusammenschluss von Kaffeekooperativen, deren Ziel es ist, die Arbeits- und Lebensbedingungen der Kaffee anbauenden Kleinbauern zu verbessern. Bereits seit 1989 arbeiteten die Mitglieder mit Fairhandels- Organisationen in ganz Europa zusammen, seit 1995 ist die Kooperative Fairtrade-zertifiziert. COOCAFE hat nicht nur zwei Stiftungen gegründet, die durch die Gelder der Fairtrade-Prämien unterstützt werden, es ist den Verantwortlichen auch ein wichtiges Anliegen, ihren Mitgliedern die Umstellung auf nachhaltige und biologische Anbaumethoden zu ermöglichen. Bislang konnten bereits 500 Hektar auf biologischen Anbau umgestellt werden.
Beim Besuch der Kaffeebauern auf 1.750 m konnte man sich einen guten Eindruck darüber verschaffen, wie die roten Kirschen durch die Picking-Methode geerntet werden, durch die garantiert wird, dass nur die reifen Kirschen geerntet werden und die unreifen Früchte zum weiteren Ausreifen an den Pflanzen bleiben. Sie zählt zu den teuersten und edelsten Ernteverfahren. Nach dem „Picking“ werden die frisch geernteten Kaffeekirschen vor der Weiterverarbeitung ein weiteres Mal von Hand verlesen, um alle Kirschen auszusortieren, die noch nicht den idealen Reifegrad erlangt haben. Der eindeutige Vorteil dieser kostspieligen Methode ist, dass die homogene Ernte die höchste Qualität hervorbringt. Im Anschluss an den Besuch der Kaffeefelder wurde den Gästen eine Kaffeeaufbereitungsanlage vorgeführt, mit der alle Details der Weiterverarbeitung verdeutlicht wurden.
In Costa Rica wird jedoch weit mehr als nur Kaffee angebaut; neben Bananen, Ananas, Papayas, Melonen und Macadamianüssen setzt man auch auf den Anbau von Zuckerrohr. Die 9.000 Mitglieder umfassende Kooperative COOPEAGRI beschäftigt allein 1.000 Bauern mit dem Anbau von Zuckerrohr, die Mehrheit allerdings baut nach wie vor Kaffee an. Seit 1998 ist diese Kleinbauernkooperative Teil des Fairtrade-Systems. Sie verfügt über eine eigene Zuckermühle zur Verarbeitung des geernteten Zuckers, was wesentlich zur wirtschaftlichen Selbstständigkeit der Kleinbauern beiträgt. Die Abschlussfahrt führte die Reisenden schließlich in die vulkanischen Bergketten der Kordilleren. Dort gibt es eine Vielzahl noch aktiver, aber auch erloschener Vulkane. Zu den meistbesuchten gehört der Volcàn Poàs mit 2.704 Metern Höhe – leider blieb der Reisegruppe der Blick auf den Krater durch eine Nebelwand verwehrt.
Am 26. Januar landete die Reisegruppe wieder auf europäischem Boden – um viele Erfahrungen reicher und mit einer noch umfassenderen Vorstellung, was sich hinter der gerösteten Kaffeebohne der Kaffeerösterei Schreyögg eigentlich so alles verbirgt. Reisebericht

zurück top